Frostschutz in Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung (KVS-Systeme)
In Lüftungsanlagen mit Kreislaufverbundsystem (KVS) überträgt ein Solekreis die Wärme aus der Abluft an die Außenluft, und weil der Außenluft-Wärmetauscher im Winter Minusgraden ausgesetzt ist, läuft dieser Kreis mit einem inhibierten Glysofor Glykol-Wasser-Gemisch. Die Konzentration ist dabei ein Kompromiss: genug Glykol für die Frostsicherheit am Standort, so wenig wie möglich für Rückwärmzahl und Pumpenenergie. Dieser Beitrag zeigt, wie der Solekreis ausgelegt, befüllt und geprüft wird.
Wie ein Kreislaufverbundsystem funktioniert
Ein KVS koppelt zwei getrennt aufgestellte Lüftungsgeräte: Ein Wärmetauscher in der Abluft nimmt die Wärme auf, der Solekreis transportiert sie zum Wärmetauscher in der Außenluft und wärmt die Zuluft vor. Zuluft und Abluft kommen dabei nie miteinander in Kontakt, deshalb ist das KVS die übliche Wärmerückgewinnung überall dort, wo Luftströme strikt getrennt bleiben müssen: in Krankenhäusern und Laboren, bei Küchen- und Prozessabluft, und in Bestandsgebäuden, in denen Zu- und Abluftgerät räumlich auseinander liegen. Wie viel Wärme zurückgewonnen wird, beschreibt die Rückwärmzahl, sie hängt von Tauscherflächen, Volumenströmen und dem Medium im Solekreis ab. Und genau hier kommt das Glykol ins Spiel: Es ist der Teil des Systems, den der Betreiber nach der Montage noch beeinflussen kann.
Warum der Solekreis Frostschutz braucht
Der Außenluft-Wärmetauscher arbeitet bei Auslegungsbedingungen mit Luft weit unter null Grad, und im Stillstand, etwa bei Stromausfall oder Anlagenabschaltung, steht die Sole ungeschützt in einem durchströmten Außenbauteil. Reines Wasser würde gefrieren und den Wärmetauscher durch Sprengwirkung zerstören. Dazu kommt die Betriebsseite: Kühlt die Sole zu weit ab, vereist das Kondensat am Abluft-Wärmetauscher, die Regelung muss gegensteuern und die Rückwärmzahl bricht ein. Ein korrekt eingestellter Frostschutz sichert also beides, das Bauteil und den Wirkungsgrad.
Vereisung am Abluft-Wärmetauscher: ein Regelthema, kein Konzentrationsthema
Ein verbreitetes Missverständnis: Gegen die Vereisung des Abluft-Wärmetauschers hilft mehr Glykol nicht. Das Eis entsteht auf der Luftseite, wenn das Kondensat der feuchten Abluft an zu kalten Tauscherflächen gefriert, und die Flächentemperatur bestimmt die Soletemperatur am Eintritt, nicht die Konzentration. Zuständig ist die Regelung: Sie begrenzt die Soleeintrittstemperatur am Abluft-Wärmetauscher, üblich über einen Bypass oder die Pumpendrehzahl, und opfert dafür in der kältesten Stunde etwas Rückgewinnung. Der Frostschutz im Solekreis hat eine andere Aufgabe, er schützt den Außenluft-Wärmetauscher und die Leitungen im Stillstand, wenn keine Regelung mehr eingreifen kann. Wer beides auseinanderhält, legt die Konzentration knapp und richtig aus.
Die Konzentration: so viel wie nötig, so wenig wie möglich
Jeder Prozentpunkt Glykol senkt die Wärmekapazität der Sole und erhöht ihre Viskosität, beides kostet Rückwärmzahl und Pumpenenergie. Deshalb wird die Konzentration nicht pauschal gewählt, sondern nach der Norm-Außentemperatur des Standorts plus Reserve. Zur Orientierung die Werte von Glysofor N:
Als Ethylenglykol Frostschutzmittel bietet Glysofor N herausragende Leistungswerte.
Für die Anlagenplanung zählen neben dem Frostschutzwert die Stoffdaten des Gemischs, also Dichte, Viskosität und Wärmekapazität bei Betriebstemperatur. Genau diese Werte liefert der Stoffdatenkalkulator je Konzentration und Temperatur, damit lassen sich Wärmetauscher und Pumpe korrekt auslegen.
Produktwahl und Füllwasser
Glysofor N
der Standard für KVS-Solekreise, geeignet für Multimetallinstallationen. Wärmerückgewinnungsanlagen gehören seit jeher zu den Kernanwendungen.
Glysofor L
wenn die Anlage in lebensmittelnahen Bereichen arbeitet, etwa bei Küchenabluft in Lebensmittelbetrieben.
Verwenden Sie niemals reine Wasser-Glykol-Gemische ohne Inhibitorenausrüstung, sie wirken korrosiv. Und das Füllwasser entscheidet mit: Angemischt wird mit entmineralisiertem Wasser nach VDI 2035, die einfüllfertige Mischung nimmt Ihnen beides ab.
Ein Sonderfall aus der Praxis sind Bestandsanlagen, die bisher nur mit Wasser und Begleitheizung gefahren wurden oder deren Füllung niemand mehr kennt. Hier lohnt der Dreischritt: Probe ins Labor, Ergebnis bewerten, dann entweder gezielt aufdosieren oder spülen und neu befüllen. Wer bei der Gelegenheit auf eine dokumentierte Glysofor-Füllung umstellt, hat für die nächsten Jahre einen definierten Zustand, auf den sich jede Wartung beziehen kann.
Auslegung in fünf Schritten
- Auslegungstemperatur festlegen: Norm-Außentemperatur des Standorts plus Reserve für Stillstand und Wind, daraus folgt der geforderte Frostschutzwert.
- Konzentration wählen: aus der Frostschutztabelle des Produkts, nicht pauschal. Jeder unnötige Prozentpunkt kostet Rückwärmzahl.
- Stoffdaten in die Auslegung übernehmen: Dichte, Viskosität und Wärmekapazität der gewählten Konzentration bei Betriebstemperatur in die Auslegung von Wärmetauschern und Volumenstrom einrechnen.
- Pumpe und Druckverlust prüfen: Das Gemisch ist zähflüssiger als Wasser, gerade bei Kaltstart im Winter. Die Pumpe muss den Betriebspunkt auch bei der tiefsten Soletemperatur halten.
- Ausdehnung berücksichtigen: Glykol-Wasser-Gemische dehnen sich stärker aus als reines Wasser, das Ausdehnungsgefäß entsprechend auslegen bzw. bei der Umstellung einer Bestandsanlage prüfen.
Befüllung und Inbetriebnahme
Betrieb und Wartung
In den Wartungsplan gehören zwei Punkte: vor jeder Frostperiode den Frostschutzwert messen (Refraktometer oder Frostschutzprüfer, wenige Minuten Aufwand) und bei Auffälligkeiten oder unbekannter Füllung die Laboranalyse. Unser Fluidanalytik-Labor prüft Frostschutzwert, pH-Wert und Inhibitorzustand und sagt Ihnen, ob die Füllung bleiben kann, aufdosiert werden sollte oder getauscht gehört. Beim Aufdosieren gilt: Glysofor-Produkte sind chemisch kompatibel mit marktüblichen Produkten auf derselben Glykolbasis. Ausgetauschte Füllungen nehmen wir zurück.
Verpackungsgrößen

Wir bieten folgende Gebindegrößen an:
- 25 kg / 30 kg PE-Kanister
- 220 kg PE-Fass
- 1.000 kg IBC
- 24.000 kg TKW


