VDI 6044: Die Richtlinie VDI/BTGA 6044 ist seit April 2023 Stand der Technik und regelt die Vermeidung von Schäden in geschlossenen Kaltwasser- und Kühlkreisläufen mit einer Umlaufwassertemperatur unter 40 °C und einem Volumen über 1.000 Litern. Sie ergänzt die VDI 2035 um konkrete Wasserqualitätsanforderungen für den Kaltbereich.
Kalt- und Kühlkreisläufe sind das Herzstück moderner Gebäude- und Anlagentechnik – von der HVAC-Anlage über die Prozesskühlung bis zu kalten Nahwärmenetzen. Damit diese Systeme dauerhaft effizient und störungsfrei arbeiten, definiert die VDI/BTGA 6044 verbindliche Anforderungen an Wasserbeschaffenheit, Korrosionsschutz und Instandhaltung. Planer und Betreiber profitieren direkt: Normkonforme Anlagen arbeiten effizienter, sind weniger anfällig für Korrosions- und Biofilmschäden und senken langfristig die Instandhaltungskosten.

Geltungsbereich: Welche Anlagen VDI 6044 betrifft
Anwendungsbereich auf einen Blick:
- Umlaufwassertemperatur unter 40 °C
- Gesamtvolumen über 1.000 Liter (ohne Pufferspeicher)
- Geschlossene und offene Systeme, mit und ohne Frostschutz
- Neuanlagen und Bestandsanlagen gleichermaßen
Fachleute schätzen, dass in Deutschland eine hohe fünfstellige Zahl an Bestandsanlagen in den Geltungsbereich der VDI/BTGA 6044 fällt. Konkret erfasst die Richtlinie Rückkühlsysteme und Kaltwassersätze in industriellen Anwendungen, Kühlkreisläufe in lebensmittelnahen Bereichen wie Molkereien und Brauereien sowie Heizsysteme mit Fußbodenheizung oder Betonkernaktivierung. Dazu kommen Anlagen der erneuerbaren Energien: Wärmepumpen mit Kühlsole-Kreisläufen, oberflächennahe Geothermie und kalte Nahwärmenetze.
VDI 6044 vs. VDI 2035: Abgrenzung auf einen Blick
| Merkmal | VDI/BTGA 6044 (2023) | VDI 2035 (Heizung) |
|---|---|---|
| Anwendungsbereich | Kaltwasser- und Kühlkreisläufe | Warmwasser-Heizungsanlagen |
| Temperaturgrenze | Umlaufwassertemperatur unter 40 °C | Warmwasser-Heizungsanlagen |
| Mindestvolumen | Ab 1.000 Liter Anlageninhalt | Keine einheitliche Volumenvorgabe |
| Typische Systeme | Kaltwassersätze, Rückkühlwerke, Wärmepumpen-Sole, Prozesskühlung, kalte Nahwärmenetze | Heizkessel, Fernwärme-Übergabestationen, Fußbodenheizungen |
| Frostschutz erforderlich | Vielfach ja, bei niedrigen Betriebstemperaturen oder Außenaufstellung | Je nach Heizsystem und Betriebsweise |
| Herausgeber | VDI gemeinsam mit BTGA | VDI |
| Veröffentlichung | April 2023 | VDI-2035-Richtlinienreihe |
| Korrosionsschutz | Werkstoff-, Wasser- und Betriebsbedingungen gemeinsam berücksichtigen | Fokus auf Vermeidung von Steinbildung und wasserseitiger Korrosion |
Die Norm unterscheidet atmosphärisch offene und geschlossene Anlagen sowie korrosionstechnisch offene und geschlossene Kalt- und Kühlkreisläufe. Ein Kreislauf gilt als korrosionstechnisch geschlossen, wenn der Sauerstoffgehalt dauerhaft unter 0,1 mg/l bleibt. Diese Klassifizierung entscheidet über die Auswahl geeigneter Werkstoffe, Inhibitoren und Wärmeträgerflüssigkeiten.
Abgrenzung zur VDI 2035
Die VDI 2035 regelt die Vermeidung von Schäden in Warmwasser-Heizungsanlagen mit Vorlauftemperaturen bis 100 °C. Die VDI/BTGA 6044 schließt die Lücke darunter: Sie adressiert den Kaltbereich unter 40 °C, in dem andere Schadensmechanismen dominieren. Biofilme und mikrobiologische Prozesse treten in Kältesystemen deutlich häufiger auf als in klassischen Heizsystemen, was vor Inkrafttreten der Norm zu erheblichen Betriebsstörungen geführt hat.
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Technische Beratung anfragenKernanforderungen an Wasserqualität und Korrosionsschutz
Gemäß VDI/BTGA 6044:2023-04 sind die Wasserqualitätsparameter für Kühlkreisläufe breiter angelegt als in der VDI 2035. Da bei niedrigeren Betriebstemperaturen das Risiko der Kalkfällung geringer ist, lässt die Richtlinie eine Gesamthärte bis unter 8,4 °dH zu. Neu aufgenommen wurden Grenzwerte für Chlorid, Sulfat, Nitrat, TOC sowie die Metalle Eisen, Zink, Kupfer, Aluminium und Ammonium.
VDI 6044: Die vier Betriebsphasen eines Kühlkreislaufs
1. Planung
- Werkstoffauswahl
- Anlagentyp bestimmen
- Sauerstoffdiffusion prüfen
- Anlagenbuch anlegen
- Wasseranalyse planen
2. Erstbefüllung
- Spülung mit geeignetem Füll- und Spülwasser
- Glykol-Konzentrat korrekt dosieren
- pH-Wert prüfen
- Entgasung sicherstellen
3. Betrieb
- Laufendes Monitoring
- pH und Leitfähigkeit prüfen
- Inhibitorgehalt kontrollieren
- Frostschutzkonzentration messen
- Betriebsbuch führen
4. Instandhaltung
- Periodische Laboranalyse
- Inhibitoren prüfen
- Ablagerungen entfernen
- Störungsursachen dokumentieren
- Bestandsanlagen prüfen

| Parameter | Anforderung nach VDI/BTGA 6044 |
|---|---|
| Gesamthärte | < 8,4 °dH |
| Erscheinungsbild | klar, frei von sedimentierenden Stoffen |
| Umlaufwassertemperatur | < 40 °C |
| Sauerstoffgehalt (geschlossen) | < 0,1 mg/l |
| Zusätzliche Parameter | Chlorid, Sulfat, Nitrat, TOC, Fe, Zn, Cu, Al, NH₄ |
Werden diese Anforderungen nicht eingehalten, sind Effizienz- und Sicherheitsverluste die direkte Folge: Bereits 1 mm Kalkbelag im Wärmetauscher reduziert den Wärmeübergang um rund 20 %. Biofilme verstärken diesen Effekt, Korrosionsprodukte verschlammen den Kreislauf, blockieren Ventile und beschädigen Pumpen. Biofilme wirken zusätzlich als Isolationsschicht. Korrosionsprodukte verschlammen den Kreislauf, blockieren Ventile und beschädigen Pumpen.
Sauerstoffdiffusion als praktischer Faktor
Anders als Metalle sind viele Kunststoffe nicht sauerstoffdiffusionsdicht: Rohre und Formteile aus Polyethylen oder ähnlichen Materialien lassen Sauerstoff hindurchtreten und können einen geschlossenen Kreislauf dauerhaft mit Sauerstoff belasten. Bei ungeeigneten Rohren gelangt kontinuierlich Sauerstoff in einen geschlossenen Kreislauf. Das begünstigt Korrosion und macht einen passenden Korrosionsschutz durch die Wärmeträgerflüssigkeit unverzichtbar. Planer sollten daher die Diffusionseigenschaften aller verbauten Materialien bereits in der Planungsphase prüfen.
Glysofor-Produkte für normkonforme Kühlkreisläufe
Für jeden Anlagentyp im Geltungsbereich der Richtlinie bietet Glysofor eine passende Wärmeträger- oder Kältemittellösung mit integriertem Korrosionsschutz. Die Auswahl richtet sich nach Temperaturniveau, Werkstoffkombination und Anforderungen an die Umweltverträglichkeit.

- HVAC und Prozesskühlung: Glysofor N als Wärmeträger und Kühlmittel für gebäudetechnische Anlagen.
- Supermarktkälte und tiefe Temperaturen: Glysofor L als Kältemittel für Kühl-, Tiefkühl- und Entfrostungsprozesse.
- Geothermie und kalte Nahwärmenetze: Glysofor TERRA als Wärmeträger für erdgekoppelte Systeme.
- Umweltsensible Anwendungen: Glysofor EVO N und Glysofor EVO L, frei von Triazolen, Borax, Nitrit und Phosphat.
Die EVO-Serie ist besonders für Betreiber geeignet, die neben der Normkonformität auch strengere Umweltauflagen erfüllen müssen. Ihre Additivtechnologie verzichtet vollständig auf Triazole, Borax, Nitrit und Phosphat und entspricht damit modernen Ausschreibungsanforderungen in Gebäudetechnik und erneuerbaren Energien.
Auslegung leicht gemacht: Mit dem Stoffdatenkalkulator ermitteln Sie in wenigen Klicks Dichte, Viskosität, Wärmekapazität und Gefrierpunkt Ihres Glykol-Wasser-Gemischs, exakt auf Ihren Anwendungsfall abgestimmt.
Häufige Fragen zur VDI 6044
Ja. Die Richtlinie gibt Hilfestellung sowohl bei Planung und Errichtung von Neuanlagen als auch bei Wartung und Störungsbehebung an Bestandsanlagen.
Die VDI 2035 behandelt Warmwasser-Heizungsanlagen. Die VDI/BTGA 6044 adressiert Kalt- und Kühlkreisläufe mit Umlaufwassertemperaturen unter 40 °C.
Planer verantworten die Auslegung, ausführende Unternehmen die fachgerechte Errichtung und Erstbefüllung. Betreiber sind für laufende Instandhaltung, Analysen und Dokumentation zuständig.
Geeignete Wärmeträger müssen zur konkreten Anlage, den Werkstoffen, Temperaturbedingungen und Anforderungen an Frost- und Korrosionsschutz passen. Glysofor bietet hierfür unterschiedliche Wärmeträgerlösungen.
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